Neue Lyrik

Aber es gibt noch mehr Reime, nicht nur aus Siebenbürgen. Hier das aktuellste Gedicht:

LEIHMORAL

Wo befruchtet wird,

da fällt ein Spahn.

Der war vielen unliebsam.

 

Wo geschuftet wird,

parteiinfam,

man ihn auf die Kimme nahm.

 

Wer so unbeirrt

zieht seine Bahn,

spreizt sich ohne jede Scham,

 

hat den einen, and’ren Feind;

und die waren dann vereint,

brauchten kaum noch Munition.


Denn der Spahn hat viel gelogen,

bekam die Maske abgezogen.

Die kam aus einer Ration,


die er üppig angeschafft,

voller Tatendrang und Kraft.

Den Schaden hat er selbst nun auch.

 

Manchmal trifft’s den Richtigen.

Es gibt nichts zu beschwichtigen,

Fingerzeigen ist hier Brauch.


An fremdem Leib wurde geheuchelt,

der Spahn darum zu Recht gemeuchelt.

Doch wer warf den ersten Stein

ins Familienglück hinein?


Dieselben, denen Spahn getraut:

die Leute mit den großen Lettern.

Musste er sich da entblättern?

Bekam er dabei Gänsehaut?



 


Mein Mann und ich, schaut alle hin:

Wir haben einen Benjamin!

Die Zeitung darf mich alles fragen,

ich schieb‘ für sie den Kinderwagen!

 

Hätte er vielleicht geschwiegen,

ein Mal seinen Mund gehalten,

könnt‘ er still den Sohn nun wiegen,

und es wär‘ alles beim Alten.

 

Einerlei. Wohl zu erwarten:

Der Spahn, der könnte noch mal starten.

Na klar, er herzt sein Kind jetzt bloß.

Doch seinerlei wird man nie los.




DIE ÜBRIGEN GEDICHTE:

Ferne Heimat Siebenbürgen

Es kommt ein Mensch nach Siebenbürgen.

Nennen wir ihn mal: Hans-Jürgen.

Er schaut sich um.

Er fühlt sich dumm.


Wie, das gab es alles hier?

Mit deutschen Farben im Panier?

Wenn er mehr wüsste, könnt‘ er seh’n,

Wie sie beide vor ihm steh’n:

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Artemis

Denkt schon jemand drüber nach,

was man spricht, nachdem Neil sprach,

dass es war ein kleiner Schritt?

 

Sitzen da schon Whizz Kids dran,

was man alles sagen kann?

Macht sogar ein Dichter mit?


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Kain und Abel

Der Besserwisser und sein Bruder,

der artverwandte Wichtigtuer,

können alles – und dies immer.

 

Hand in Hand

geh‘n sie durchs Land.

Recht tun kann man’s ihnen nimmer. 


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Parteitag

Dieselben hohlbekannten Phrasen.

Die gleichen hochgereckten Nasen.

Der Parteitag klatscht im Stehen.

Man will sich schließlich wiedersehen.


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Nacht-Trump

Gerade kam der Trump zu mir.

Ich lag im Bett, es ging auf Vier.

Meine Brust, sie wurde schwer;

als Nachtmahr kniete er auf ihr.

Trumpophierend sagte er,


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Daddy

Bist du hinterhältig, feig und dumb,

könnt‘ es sein, dein Pa war Trump.

Hat man dir ins Hirn geschissen,

niemand dir vererbt Gewissen,

hast du alles mitgebracht

für den Zugriff auf die Macht.


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Frühling

Liebe Welt, wo willst du hin?

Du grünst nun wie seit Anbeginn.

Unkraut war zwar immer drin,

zwischen allen Tulpen, Gurken.

Doch gedeihen Nulpen, Schurken

mehr als früher üblich,

und der Ausblick stimmt betrüblich.


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Alte weiße Männer

Alten Männern fehlt viel Haar.

Dort, wo früher dichtes war,

sind die Restbestände weiß.

Das macht keine Frau mehr heiß.


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Deutsche Oper

Bei uns hing noch das Lametta,

da ging’s zu Mimi und Musetta.

Wir wollten unbedingt mal wieder hin,

in das alte West-Berlin.


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