Start of Gold
Im Königlichen Warroom herrscht Stille. Der König zieht ein Riechtuch unter seiner Ärmelrüsche hervor und betupft sich die Nase. Er schaut hilfesuchend in die Runde.
Manacardi erhebt sich. „Mio Signore, Principe Esaltato! Zwischen Privatleuten halten Gesetze, schriftliche Abmachungen und Verträge Treu und Glauben ein, doch zwischen den Mächtigen gelten nur die Waffen…“
Marchand fällt dem Gelehrten ins Wort. „Ach haltet doch Euren nutzlosen Großsprechermund, Dottore! Wo sind sie denn, die Waffen, die ihr uns versprochen habt?“.
Der Kanzler weist anklagend auf den Sandkasten, auf die leeren Schanzen, die verwaisten Unterstände, die Kampfwagen-Hangars ohne Kampfwagen.
„Wo ist er, Euer gepanzerter Kampfwagen, von acht Mann mit Kurbeln vorangetrieben, rundum mit Kanonen bestückt? Ich werde Euch sagen, wo sie ist, diese Wunderwaffe, falls Ihr es vergessen habt: Im – verzeiht, Majestät – Arsch ist sie! Der Kurbelantrieb, den Ihr dafür vorsaht, ließ die Räder blockieren, weiter nichts. Das teure Ungetüm, das ihr bauen ließet, kam keinen einzigen Meter voran.“
Marchand hingegen ist nun in Fahrt, er geht um den Sandkasten herum, ergreift Manacardi am Kragen und schüttelt den Gelehrten. „Und was, Dottore“ schreit er mit hochrotem Kopf, „ist aus dem angeblich unsinkbaren Boot geworden, das Eurem kranken Kopf entsprang? Unter die Wasseroberfläche tauchen und wieder aufsteigen sollte es, feindliche Flotten – die uns als Binnenstaat ohnehin nicht bedrohen – unsichtbar angreifen und dann unüberwindbar wieder entschwinden, nicht wahr?“
Marchand hält den Dottore weiter am Wickel, wendet den Kopf zu den beiden Generälen mit Ankern an den Mützen und herrscht sie an: „Wie viele dieser Boote haben wir gebaut, und was kam dabei heraus?“
Die angesprochenen Militärs winden sich. Einer sagt zerknirscht: „Die zwei Prototypen wiesen Nachbesserungsbedarf auf, der bei größerem Mitteleinsatz sicherlich…“
„Schweigt!!!“, erhöht Marchand seine Lautstärke nochmals. „Eure Prototypen liegen mitsamt ihrer Besatzung am Grunde des Schlossgrabens und werden niemals wieder aufsteigen! Da wir gerade von Aufsteigen sprechen…“ Der Kanzler widmet seine Aufmerksamkeit jetzt wieder ganz Manacardi, der unter dem festen Griff um seinen Kragen zappelt, und nähert seine Nasenspitze der des Hof-Kriegsingenieurs.
„Wie hoch, geschätzter Dottore, ist Eure mirakulöse Erfindung jemals emporgeflogen, die Ihr mit Karabiniers besetzen wolltet, die jede Kompanie auf dem Boden vernichten? Wie hieß das Ding doch gleich? Flugschrauber?“
„Vertikale Start- und Landeflugmaschine“, korrigiert Manacardi mit der wenigen Luft, die ihm der eiserne Griff des Kanzlers lässt.
„Genau. Sie stieg keinen Millimeter auf, deshalb musste sie auch nie ihre Landefähigkeit beweisen. Die rotierende Schraube wirkte allerdings akkurat, das muss man zugeben, auf die Hälse der unglückseligen Besatzung. Eine effektive Hinrichtungsmethode. Ihr Erfinder sollte sie einem Selbstversuch unterziehen.“
Marchand stößt meinen neuen Lehrmeister mit einem verächtlichen Schnaufen von sich. Er wendet sich dem König zu und verbeugt sich. „Ich bitte um Vergebung, Majestät. Ich ließ mich gehen. Es ist die Sorge um Euer Reich, die mir die Contenance nahm. Die grausamen Laballes haben uns den Krieg erklärt und rüsten zum Kampf, an unserer Grenze sind Riesen aufgetaucht. Möglicherweise stehen sie im Dienste des Feinds, dessen Mittel die unseren bei Weitem übersteigen. Dieser Mann“ – er richtet einen anklagenden Finger auf Manacardi – „hat seit Jahren die Aufgabe, unsere Staatskasse durch die Umwandlung Eurer Erlauchten Exkremente mit purem Gold zu füllen. Ich schlage hiermit zum Wohle des Staates vor, ihn…“
Bevor der Kanzler seinen Satz beenden kann, schwingt die Tür zum Chambre de la Guerre auf, und ein offenbar hochrangiger Hofbediensteter mit fast so viel Lametta auf der Brust wie die Generäle stürzt herein, ganz außer sich, alle Kratzfüße vergessend. Er trägt eine Porzellanschüssel in den Händen, die er trotz seiner Aufregung sorgsam in der Mitte des Sandkastens absetzt, als ob es sich um ein rohes Ei handeln würde. Er verharrt kurz, wie in Anbetung der Schüssel, strafft sich erst und verbeugt sich dann tief vor dem König.
„Majestät, Mon Roi! Es ist die mir, Chevalier Aristide des Pommes Diarre, als erstem in meinem Geschlecht treuer Bestellter Oberverweser des Königlichen Geheimen Fäkalarchivs vorbehaltene Freude und Ehre, Euch die Verwandlung Eurer vorzüglichen Exkremente in pures Gold vermelden zu können. Meine Familie dankt für das ihr entgegengebrachte Vertrauen.“
Der Chevalier hebt den Deckel der Schüssel. Der Kanzler hebt die Augenbrauen. Alle Anwesenden bis auf mich erheben sich und beugen sich über die Schüssel. Vor ihren Augen muss Gold funkeln, pures, reines Gold. Ich habe keine Ahnung, wie Gold aussieht, ich habe niemals welches zu Gesicht bekommen. Aber ich weiß, wie Menschen aussehen, die es besitzen und mehr davon wollen. Diesen Anblick habe ich jetzt.
Der Kanzler vollendet seinen angefangenen Satz: „Schlage ich also hiermit ganz im Sinne meiner vorherigen Ausführungen zum Wohle des Staates vor, den verdienstvollen Kriegsingenieur und Hofalchimisten Dottore Artobaldo Manacardi, ein wahres Genie, in den Adelsstand zu erheben.“ Der Kanzler tupft sich die Stirn mit einem Taschentuch und schaut unsicher um sich.
Meister Manacardi strafft seine Tunika und zwinkert mir zu. „Goldfasane“, flüstert er. „Ich wusste es. Goldfasane sind die Lösung.“
Ich habe meine Zweifel. Ich verstehe nicht, was vor sich geht. Aber ich weiß, dass ich heute erstmals den Inhalt der königlichen Exkrementenschüssel, die Manacardi jeden Morgen gebracht wird, gegen meine eigene Kacke ausgetauscht habe, als der Gelehrte es nicht bemerkte. Und ein Pülverchen habe ich darüber gestreut, das der Maitre mir mitgab.
Zwei und zwei
Mehr als Gold, viel Gold, liebte Claudine de Laballe nur noch mehr Gold. Das einzige Edelmetall, das sie zurzeit noch besaß, war ihr jedoch gerade entglitten. Es sah danach aus, als ob ihr das jetzt auch mit ihrem Leben widerfahren könnte.
Auf ihrem Bauch saß ein hässlicher, ziemlich großgewachsener Zwerg. Mit der einen erhobenen Hand hielt er einen kapitalen Knüppel, in der anderen ihren güldenen Apfel. Claudine musste sich entscheiden, was davon sie mehr beunruhigte. Im Moment war es der Knüppel.
„Haltet ein, wackerer Held, ich appelliere an Eure Ritterlichkeit und Großmut“, rief sie mit dem kleinlautesten Stimmchen, das ihr zur Verfügung stand. Es klang trotzdem wie: „Sonst setzt es was!“ Die Laballes konnten einfach nicht aus ihrer Haut, sogar wenn sie in Gefahr standen, dass sie ihnen abgezogen werden könnte, wie sie selbst es seit Generationen mit vielen wehrlosen Opfern taten.
Mitschin war ein Gutzwerg, aber es wäre gelogen zu behaupten, dass er die Situation nicht genoss. Unter ihm lag immerhin die Erzfeindin, die Zwergenschinderin, die Große Angst der Kleinen Leute.
„Du vermutest Großmut in einem wie mir, einem Gnom?“, fragte er. „Wie das?“ Der Knüppel stieg etwas höher, bereit, Claudines Schädel zu zerschmettern.
Die Gedanken der Comtesse rasten. Sie mussten sich einer völlig neuen Aufgabe widmen. Meist drehten sie sich darum, anderen Schaden zuzufügen. Nun mussten sie ihn von ihr selbst abwenden.
„Ich stelle den ehrenwerten Zwerg-Ritter, seine gesamte Familie, sein gesamtes Dorf, unter meinen persönlichen Schutz, ich…“ Claudine fing an zu stammeln. Viel, das sie in ihrer gegenwärtigen Situation anbieten könnte, wollte ihr nicht einfallen.
Mitschin schon. Er zählte zwei und zwei zusammen: Sein Freund Trako in der Gewalt der Laballes. Die einzige Tochter des Duc de Laballe in seiner Gewalt. Ein Tauschgeschäft drängte sich geradezu auf.
„Nun“, sagte Mitschin, „vielleicht ließe sich ein Arrangement zwischen uns finden.“ Er ließ den Knüppel sinken und gab Claudine frei – den güldenen Apfel nicht. Sofort griff die Comtesse nach der Preziose – was ihr einen schmerzhaften Schlag mit dem Stock auf die Finger einbrachte.
„Au! Wie kannst du es wagen, du…“. Der Knüppel tat erneut sein Werk – wohldosiert und diesmal auf dem Haupt der Adligen. Sie würde nicht mehr als eine Beule davontragen, war vorläufig aber ausgeschaltet.
Mitschin machte sich an der Ohnmächtigen zu schaffen und löste ihr Mieder. Nicht auf dessen Inhalt kam es ihn an, sondern auf die Miederbänder, mit denen er Claudine nun behende an Armen und Beinen verschnürte.
Zufrieden betrachtete er sein Werk. Das Dorf der Riesen war nicht weit. Sie würden für den Abtransport seiner kostbaren Beute sorgen müssen, der selbst den größten Zwerg überforderte. Ein letzter Blick auf Claudine, bevor Mitschin sich aufmachte. Er unterdrückte den Impuls, ihr vorher ins Gesicht zu spucken. Gutzwerge tun so etwas nicht.
Anbahnung einer unwahrscheinlichen Allianz
Im Dorf der Riesen wunderte man sich sehr. Zum einen über Mitschin und dessen Mumm zurückzukehren. Zum anderen über das zappelnde und zeternde Bündel Menschin, das auf Empfehlung des Zwergs aus dem Wald angeschleppt worden war.
Claudine de Laballe lag, immer noch gefesselt, aber nun wieder bei Bewusstsein, in der Mitte des Dorfplatzes, von Mitschin und den riesigen Einwohnern umgeben. Die Gefangene stieß in wildem Stakkato gotteslästerliche Flüche aus, die mancher Riese sich für spätere Gelegenheiten gerne notiert hätte, könnte er nur schreiben.
„Schweinebandekackriesenzwergenschergen! Drecksgnomengigantenmissgeburten!“ Usw., usw.
Mitschin beugte sich zur Comtesse hinunter. „Ich darf Euer Gnaden an Dero adligen Stand erinnern. Und was ist eigentlich aus dem ‚ehrenwerten Zwerg-Ritter‘ geworden?“ Mitschin zeigte und streichelte seinen Knüppel, den er immer noch bei sich trug.
Der Zwerg setzte fort: „Wisst ihr, Mademoiselle, welche Verwendung Menschen wie Ihr normalerweise in Riesendörfern finden? Oder habt Ihr die Feuerstelle mit Drehspieß übersehen? Da Ihr jetzt schon schreit wie am Spieß, würde ich mein Glück an Eurer Stelle nicht allzu sehr versuchen.“
Schmacko der Schmetterer war begeistert, leckte sich die Lippen und machte Anstalten, unter dem Drehspieß ein Feuer zu entzünden. Dabei rief er seiner Frau in der ehelichen Hütte zu: „Die Mademoiselle-Marinade, Weib, von der guten!“
Mitschin war sich nicht ganz sicher, ob es sich dabei um ein perfektes Beispiel psychologischer Kriegsführung handelte oder um ein echtes kulinarisches Bedürfnis.
Ihre Wirkung auf Claudine verfehlten die Kochvorbereitungen jedenfalls nicht. „J’abandonne“, hauchte sie, „Ich gebe auf.“
„Fein“, erwiderte der Zwerg. „Kann ich Euch dann entschnüren, damit Ihr weniger wie ein Rollbraten ausseht? Das würde den Speichelfluss unserer Gastgeber eindämmen.“
„Je me rendre“, bekräftigte Claudine. „Mein Ehrenwort darauf.“
Was ein Laballe-Ehrenwort wert war, durfte normalerweise zwar als dahingestellt gelten, aber unter den gegebenen Umständen konnte man das Risiko eingehen, beschloss Mitschin. Dann begannen die Verhandlungen.
Die tiefe Tragik des Lebens von Claudine de Laballe war bisher gewesen, dass sie zwar mit dem vollen Erbgut der männlichen Linie ihres Geschlechts ausgestattet war, welches Mordlust, Sadismus, zügellose Gier und andere Unbeherrschtheiten umfasste, ihre Familie von ihr als Tochter aber vorwiegend Liebreiz, Anmut und vor allem Gehorsam erwartete.
Sie war ansehnlich, hübsch sogar. Doch hinter ihrem grazilen, federnden Gang verbarg sich das Beschleunigungsvermögen einer Gepardin auf der Jagd. Es fiel Claudine insofern schwer, sich nun mit einer abscheulichen Monstrosität wie Mitschin einzulassen. Alles sprach eigentlich dagegen: der hohe Rang der Adligen, ihre Herrschsucht, ihre Boshaftigkeit.
Dafür sprach: der tiefe Hass, den sie zeit ihres Lebens, jetzt aber, nach der Verbannung ins Kloster, umso mehr, gegen ihren Vater und ihren Bruder hegte. Der alte Duc de Laballe hatte sie stets spüren lassen, dass er sich nie sicher war, ob sie wirklich seinen Lenden entsprungen war. Seine zweite Frau war auf dem Schafott gelandet, weil er sie der Untreue verdächtigte. Sämtliche damaligen Stallburschen der reitfreudigen Gattin auch – sicherheitshalber. Es würde schon mindestens ein Schuldiger dabeigewesen sein. Sie alle teilten das Schicksal auch seiner ersten Gemahlin, die sich als unfruchtbar herausgestellt hatte.
Laballe junior war noch schlimmer, schlug und erniedrigte Claudine fortwährend. Sie war immer froh gewesen, seine Gegenwart meiden zu können. Zum Glück ging er viel zur Jagd – am liebsten auf Menschen. Claudine ließ derweil ihren Ingrimm am Gesinde aus – vorwiegend an ihren persönlichen Hofzwergen.
Der großgewachsene und großmütige Zwerg Mitschin löste die Fesseln der Adligen. Obwohl er seinen Knüppel inzwischen abgelegt hatte, schien das damit verbundene Risiko gering – Schmacko der Schmetterer ragte an der Feuerstelle in der Mitte des Riesendorfs turmhoch über beiden auf.
Mitschin hatte sich bis zum Beweis des Gegenteils dazu entschlossen, Schmacko den Schmetterer als Verbündeten zu betrachten. Die anderen im Dorf verbliebenen Riesen hielten sich, soweit ihnen das möglich war, im Hintergrund. Jedenfalls verstellten sie ihn.
„Nun“, sagte Mitschin, „was machen wir beiden Hübschen noch mit dem angebrochenen Abend – und vor allem mit dem abgebrochenen Riesen, den deine Familie entführt hat?“
Claudine war überrascht. Die Weltabgeschiedenheit im Kloster hatte sie von den Planungen ihrer Familie abgekoppelt. Da sie dem Kloster samt Insassen nun aus der Welt geholfen hatte, war Schwester Ignatia a.D. jetzt umso begieriger zu erfahren, was sich ereignet hatte.
„Riese? Entführt?“ Claudine beugte sich gespannt nach vorn, was ihr ohne Fesseln nun wieder möglich war. Schmacko der Schmetterer, sich seiner neuen Bedeutung als zuvor sehr unwahrscheinliche Leibwache eines Zwergs – wenn auch eines ziemlich großen – voll bewusst, bückte sich, was seine zugriffbereiten Hände wie Baggerschaufeln um den Kopf der Comtesse pendeln ließ.
Mitschin hob einen Arm, um dem Riesen Einhalt zu gebieten. Erstaunlicherweise mit Erfolg. Vielleicht würde es ja doch noch was werden mit der friedlichen Koexistenz der Großen und der Kleinen, dachte sich Mitschin. Aber das würde er seinen eigenen Leuten noch nahebringen müssen. Vorläufig stand im Vordergrund, seinen Freund Trako zu retten.
Mitschin erklärte Claudine die Lage. Sie willigte ein zu helfen. Schmacko der Schmetterer bedauerte dies. Seine Frau kippte die Mademoiselle-Marinade weg.
Gigantes ante portas, Teil zwei
Für Turmo und seine Leute war die Grenzbefestigung des Königreichs mit all ihren wehrhaften Mauern und trutzigen Türmen nicht mehr als eine Türschwelle, sie stiegen einfach darüber hinweg. Gegenwehr war nicht festzustellen. Bis auf ein Vorkommnis: Ein Ballon mit zwei Besatzungsmitgliedern, die aus ihrem Korb mit Meuchelpuffen vor der Nase von Umo dem Umhauer herumfuchtelten, lösten bei ihm Niesreiz aus und wurden gen Mond geschneuzt.
Auf dem Vormarsch stellte sich den Riesen ansonsten lediglich eine Schafherde in den Weg – nicht mehr als ein Snack für die Giganten. Sie drangen mit, nun ja, Riesenschritten Richtung Hauptstadt vor.
Dieses schnelle Vorankommen entsprach nicht ganz dem Plan Henri de Laballes. Er hatte die Riesen voller Triumph über deren Erniedrigung und Zähmung sofort zum Sturmangriff losgeschickt, ohne zu bedenken, dass seine nachrückenden Truppen ihrem Siebenmeilenstiefel-Tempo kaum folgen konnten, selbst die Tataren-Kavallerie auf ihren arabischen Hengsten nicht.
Turmo gebot seinen Leuten, halberwege zur Hauptstadt zu halten, und spuckte einen Schafsschädel aus wie unsereiner einen Melonenkern. Er blickte über das verwaiste Land. Ja, man könnte ein paar Kirchtürme umkicken. Auch gab es einige verirrte Kühe, die als Wegzehrung wohl ausreichen würden. Aber richtigen Spaß machte der Feldzug bisher nicht.
Man würde beratschlagen müssen. Wie das ging, wussten Riesen allerdings nicht. Ihre Sprache war die Keule. Turmos Leute murrten. Sie waren weit von daheim; eine richtige Rauferei hatte es bisher nicht gegeben, weil sich ihnen ja einfach niemand entgegenstellen wollte. Riesen langweilen sich schnell. Dann steigt bei ihnen normalerweise die Neigung, sich spaßeshalber gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Turmo bekam ein mieses Gefühl, so ähnlich wie Hunger. Er griff sich eine Kuh und führte sie zum Mund. Das Rindfleisch schmeckte schlecht, obwohl blutig, ganz, wie er es eigentlich mochte. Riesen konnten mit dem Begriff „medium“ wenig anfangen.