Es ließen sich dann auch tatsächlich Teerkocher blicken, die (wie kontaktsuchende Anwohner von ihnen erfahren haben wollten) selbst nicht so genau wussten, mit welchen Erfolgsaussichten sie bei strengen Minusgraden für ihren anstrengenden Job auf die Straße getrieben wurden. Allerdings nicht auf das Strässchen Am Pichelssee, das aber trotzdem mit totalem Parkverbot belegt wurde – zunächst für so rund anderthalb Wochen. Doch dann tauchten Zusatzhinweise unter den beidseitig angebrachten Schildern auf: Parkverbot bis November 2028, von montags bis freitags sieben bis achtzehn Uhr, samstags von sieben bis fünfzehn Uhr.
Diese Verschärfung der Lage, die ohnehin schon allerhand Unmut unter der Anwohnerschaft erregt hatte, erforderte das Einschreiten eines Robin Hoods vom Pichelssee, eines unermüdlichen Kämpfers für Nachbar- und Bürgerrechte. Wie appelliert die IG Metall doch so schön an unser aller Gemeinschaftssinn? "Solidarität und Respekt brauchen aktive Mitstreiterinnen und Mitstreiter."
Auftritt des aktiven und streitbaren Wutbürgers Mo: E-Mails und Telefonate mit der Straßenverkehrsbehörde (deren erteilter Hinweis auf die Rechtslage siehe oben), dem Bauleiter ("Woher haben Sie meine E-Mail-Adresse?"), dem Bauherrn (das ist formal die gewerkschaftseigene Immobilienfirma IGMET, sie hat eine Website zur Baustelle eingerichtet, von der hier nur leider niemand etwas wusste), Erkundigungen bei den Nachbarn, betroffenen Gewerbetreibenden im Kiez.
Eine Nachbarin hatte vom Bezirksamt bereits die Auskunft eingeholt: "Die Einrichtung der weiträumigen Haltverbotszone ist zwingend erforderlich, um die notwendigen Schleppkurven für Lkw zu gewährleisten und Sachbeschädigungen an parkenden Fahrzeugen vorzubeugen." Und: "Sowohl der Eigentümer, als auch die bauausführende Firma, haben hierzu bereits in Anwohnergesprächen, sowie online informiert."
Echt jetzt? Dem üppigen Kommaeinsatz im Bescheid des Bezirksamts stand in der Wirklichkeit eine nur sehr spärliche Informationspolitik der IG Metall gegenüber: Die Anwohnergespräche hatte es, wie weitere Recherchen ergaben, offenbar nur mit unmittelbaren Anliegern der Baustelle gegeben, keinesfalls auf der gesamten Strecke der einzurichtenden Baustellenzufahrt.
Ergebnis: überall dicke Hälse, der Aufschrei: "Willkür!" Und die beredte Klage einer hochbetagten Nachbarin: „Gestern wollte mein Sohn zum Kaffee kommen, ich habe alles gedeckt und gewartet, und er ist nicht gekommen, weil im Navi die Zufahrten zum Pichelssee rot gesperrt waren! Ich habe große Sorgen, dass auch meine Physiotherapeutin nicht durchkommt und die Fußpflege ebenso abgeschreckt wird. Wollen die die Alten und Kranken Am Pichelssee ausrotten? Man fühlt sich so hilflos!" Die Seniorin weiter: "Hier geht es nicht nur um die Zufahrt für medizinische Dienstleistungen, wozu auch gehört, dass die Angehörigen sich um die alten Eltern kümmern, sondern auch um die sozialen Kontakte, die brachial abgeschnitten werden, obwohl sie für Menschen, die nicht mehr aus dem Haus kommen, lebenswichtig sind!"